Fritz Nuss

Reichsstädterbrunnen, 1976, Bronze, Rathaus Aalen

Biographie Vita Fritz Nuss (1907-1999)

1907 am 24. Mai in Göppingen
1944-1922 Karlsgymnasium in Göppingen
1922-1926 Lehre als Ziseleur in Schwäbisch Gmünd
1927-1928 Akademie der bildenden Künste in München, Bildhauerklasse Prof. H. Hahn
1928-1933 Akademie der bildenden Künste in Stuttgart, Meisterschüler von Prof. L. Habich
1933-1935 Freischaffend in Aalen
Leiter der Bildhauerklasse an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart
1942 Berufung an die Akademie Breslau
1943 Ernennung zum Professor
1943-1952 Freischaffend in Weinstadt-Strümpfelbach
1952-1972 Leiter der Klasse für plastisches Gestalten an der Fachhochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd
Seit 1972 freischaffend
1999 am 3. März in Weinstadt-Strümpfelbach gestorben
Tipp Ein Skulpturengarten sowie ein Weg durch die Weinberge in Strümpfelbach geben einen Einblick in sein umfangreiches Werk.

Der „Reichsstädterbrunnen“ ist das Werk des Bildhauers Professor Fritz Nuss. Mit zahlreichen Skulpturen und Brunnen ist er in der Stadt Aalen prominent vertreten.1974 beschloss der Gemeinderat den Modellentwurf des Brunnens umsetzen zu lassen. Eingeweiht wurde er 1976 anlässlich der 4. Reichsstädter Tage vom damaligen OB Pfeifle. Kommentare gab es entsprechend: Ein bewunderndes „schön“, ein „Schmuckstück fürs Rathaus“ wurde dem Kunstwerk ebenso bescheinigt wie auch der „a bißle a müader Wasserstrahl“ beklagt.

Das 12 m lange Reliefband erinnert in einzelnen Szenen an die historische Stadtentwicklung. Verknüpft wird dieser Erzählstrang mit einer mehr sinnbildhaften Ebene, welche die Entwicklung von Leben und das Leben in der Gemeinschaft thematisiert. Alles Lebendige entsteht aus dem Wasser. So bündelt der Künstler die zentrale Bedeutung des Lebenselixiers in 6 aufsteigenden Wasserstrahlen. Das Motiv des Wassers setzt sich auf dem Reliefband mit den Wasserträgerinnen fort: Eine schöpft, die nächste trägt es weiter, das Behältnis wird von einer anderen Frauengruppe übernommen, um damit einen eben gepflanzter Baum zu gießen.

Rad und Pferd wiederum verweisen auf die Zeit als Aalen noch römische Reitergarnison war – lange bevor die mittelalterliche Stadtgründung erfolgte. Diese wird angedeutet durch einen Wanderer mit Stab. Bevölkert wurde die damalige Reichsstadt von Bauern sowie verschiedenen Handwerkern wie sie stellvertretend abgebildet sind durch den Goldschmied und den Baumeister. Beginn und Ende der Szenen bilden ein Mann mit Pferd und ein Träger mit Fahne. Auf diese Weise schließt sich der stets wiederkehrende Zyklus von Werden und Vergehen.
In der Vielfalt an symbolischen Anspielungen und Formen ist Fritz Nuss ein höchst lebendiges Kunstwerk gelungen. Ein Brunnen, der einlädt zum Betrachten und Entdecken – wenn er wieder an Ort und Stelle sprudelt!

Anmerkung: Wegen aktueller Baumaßnahmen muss der „Reichsstädterbrunnen“ vorübergehend ohne Wasser auskommen bis die Gestaltung des Rathausvorplatzes abgeschlossen sein wird. (Stand : 16.05.17)

Reichsstädterbrunnen